Thema: EU-Mercosur-Handelsabkommen – Rückenwind für die Chemieindustrie

Zum Ende der Woche rückt eine politische Entscheidung in den Fokus, die klar markt­relevant ist: Der Weg für das EU-Mercosur-Handelsabkommen ist frei. Auch wenn die vollständige Umsetzung noch Zeit benötigt, ist die Signalwirkung für die Kapitalmärkte eindeutig.

Das Abkommen zielt darauf ab, Zölle und Handelshemmnisse zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) schrittweise abzubauen. Damit entsteht perspektivisch eine der größten Freihandelszonen weltweit – mit erheblicher Bedeutung für Industrie-, Chemie- und Agrarunternehmen.


Warum ist das für die Börse relevant?

1. Verbesserte Wettbewerbsbedingungen
Der Abbau von Zöllen senkt Kosten entlang der Lieferketten. Gerade Unternehmen mit komplexen Vorprodukt-Strukturen profitieren, da sich Margen und Planbarkeit verbessern.

2. Wachstum durch Handelsliberalisierung
Freihandelsabkommen wirken langfristig wachstumsfördernd. Für die Märkte ist das kein kurzfristiger Kurstreiber, aber ein positiver struktureller Faktor.

3. Sektorale Verschiebungen
Während europäische Agrarunternehmen unter erhöhtem Wettbewerbsdruck stehen könnten, profitieren Industrie- und Chemiekonzerne überproportional.


Aktie im Fokus: BASF SE

Die BASF SE ist einer der klaren strukturellen Gewinner des Mercosur-Abkommens – und deutlich attraktiver als klassische Automobilwerte.

Warum BASF besonders profitiert

Starke Präsenz in Südamerika
BASF ist seit Jahren operativ tief in den Mercosur-Staaten verankert:

  • Produktionsstandorte in Brasilien und Argentinien
  • Eigene Forschungs- und Entwicklungszentren
  • Breite Vertriebsstruktur für Industrie- und Agrarchemie

Doppelte Hebelwirkung

  • Industriechemie: Günstigere Lieferketten für Industrie-, Bau- und Konsumgüterhersteller
  • Agrarlösungen: Steigende Nachfrage nach Pflanzenschutz- und Saatgutlösungen bei wachsendem Exportvolumen südamerikanischer Agrarprodukte

Margen- statt Volumenstory
Im Gegensatz zur Automobilindustrie geht es bei BASF weniger um Absatzrekorde, sondern um:

  • Effizienzgewinne
  • Zollersparnisse
  • Stabilere Lieferketten

Das macht den Effekt des Abkommens besonders wertvoll – auch wenn er nicht sofort sichtbar wird.


Risiken und Einordnung

  • Politische Widerstände einzelner EU-Staaten könnten die Umsetzung verzögern
  • Zyklische Abhängigkeit von der globalen Industriekonjunktur bleibt bestehen
  • Kurzfristig ist kein starker Kurssprung zu erwarten, da viele Effekte langfristig wirken

Markteinschätzung für den 09.01.2026

  • Marktimpuls: leicht positiv
  • Profiteure: Chemie, Industrievorprodukte, Agrarlösungen
  • Belastete Sektoren: europäische Landwirtschaft
  • Zeithorizont: mittel- bis langfristig relevant

Das Mercosur-Abkommen ist kein „Trading-Event“, aber ein strategischer Rückenwind für global aufgestellte Industrie- und Chemiekonzerne. BASF steht exemplarisch für Unternehmen, die von dieser Entwicklung profitieren können, ohne dass dies bereits vollständig in den Kursen reflektiert ist.


Hinweis / Disclaimer:
Dieser Beitrag dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung dar. Alle Einschätzungen spiegeln eine redaktionelle Meinung wider. Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.