Anleihen als Anlageform – Zinsen mit System?

Anleihen, oft auch als festverzinsliche Wertpapiere bezeichnet, sind eine der ältesten und bekanntesten Anlageformen weltweit. Ob von Staaten, Unternehmen oder supranationalen Organisationen ausgegeben: Sie folgen alle dem gleichen Prinzip – der Anleger leiht Kapital und erhält dafür Zinsen sowie Rückzahlung des Nennwerts am Ende der Laufzeit.

Doch sind Anleihen heute – im Zeitalter von ETFs, Kryptowährungen und Immobilienfonds – noch zeitgemäß? Die Antwort ist: Ja, aber…
Denn sie bieten Chancen, bergen aber auch Risiken – und diese gilt es zu verstehen.


Was ist eine Anleihe?

Eine Anleihe ist ein Wertpapier, mit dem sich ein Emittent – etwa ein Staat, ein Unternehmen oder eine Institution – Kapital am Markt beschafft. Der Käufer der Anleihe wird damit Gläubiger und erhält:

  1. Regelmäßige Zinszahlungen (Kupon, meist jährlich)
  2. Rückzahlung des Nennbetrags am Ende der Laufzeit

Beispiel:
Ein Anleger kauft eine Anleihe über 1.000 € mit 2 % Zinsen und 10 Jahren Laufzeit. Er erhält jährlich 20 € Zinsen und am Ende die 1.000 € zurück.


Wichtige Begriffe einfach erklärt

  • Nennwert / Nominalbetrag: Der Betrag, den Sie investieren und am Ende zurückbekommen
  • Kupon / Zinssatz: Der festgelegte jährliche Zins in Prozent
  • Laufzeit: Zeitraum bis zur Rückzahlung
  • Rendite: Tatsächliche Verzinsung unter Berücksichtigung von Kaufkurs und Marktbedingungen
  • Kursrisiko: Wert der Anleihe kann schwanken, z. B. bei Zinsänderungen
  • Bonitätsrisiko: Gefahr, dass der Emittent nicht zahlen kann (Zahlungsausfall)

Welche Arten von Anleihen gibt es?

AnleihetypBeschreibung
StaatsanleihenAusgegeben von Staaten (z. B. Bundesrepublik Deutschland)
UnternehmensanleihenVon Firmen emittiert, oft mit etwas höherem Risiko
BankenanleihenMeist von Großbanken, können reguliert sein (z. B. AT1-Anleihen)
Supranationale AnleihenEtwa von der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder Weltbank
InflationsgeschütztZins oder Rückzahlung an Inflationsrate gekoppelt
Nachrangige AnleihenHöheres Risiko, da im Insolvenzfall erst nach anderen Gläubigern bedient
WandelanleihenKönnen unter bestimmten Bedingungen in Aktien umgewandelt werden

Aktuelle Beispiele (Stand Juli 2025)

Eine Auswahl typischer Anleihen mit unterschiedlichen Zinssätzen und Laufzeiten:

  • Bundesanleihe 2024–2034
    Emittent: Bundesrepublik Deutschland
    Zinssatz: 2,50 % p.a.
    Laufzeitende: 15.02.2034
    WKN: 110248
  • BASF Anleihe 2022–2027
    Emittent: BASF SE
    Zinssatz: 1,00 % p.a.
    Laufzeit: bis 15.07.2027
    WKN: A3MQ4S
  • Apple Inc. Anleihe (EUR)
    Emittent: Apple Inc.
    Zinssatz: 0,50 % p.a.
    Laufzeit: bis 24.11.2030
    WKN: A28ZQB
  • Volkswagen Anleihe 2021–2026
    Emittent: Volkswagen Intl.
    Zinssatz: 1,25 % p.a.
    Laufzeit: bis 20.06.2026
    WKN: A3H2VF
  • EIB Anleihe 2030
    Emittent: Europäische Investitionsbank
    Zinssatz: 3,00 % p.a.
    Laufzeit: bis 01.10.2030
    WKN: EIB100

⚠️ Angaben ohne Gewähr – bitte aktuelle Kurse und Konditionen bei Ihrer Bank oder einem Finanzportal prüfen.


Vorteile von Anleihen

Planbare Erträge
Fixe Zinsen ermöglichen klare Kalkulationen – ideal für konservative Anleger.

Kapitalschutz bei hoher Bonität
Staatsanleihen (z. B. Deutschland, Schweiz) gelten als besonders sicher.

Diversifikation
Anleihen stabilisieren ein gemischtes Portfolio und federn Aktienrisiken ab.

Gute Handelbarkeit
Anleihen können börslich oder außerbörslich jederzeit verkauft werden.

Transparenz
Laufzeit, Zins, Rückzahlungsbetrag – alles von Beginn an bekannt.


Risiken von Anleihen

Zinsänderungsrisiko
Steigen die Marktzinsen, sinkt der Kurs bestehender Anleihen. Wer vor Ende der Laufzeit verkauft, kann Verluste erleiden.

Bonitätsrisiko (Emittentenrisiko)
Insbesondere bei Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen möglich. Bei Pleite droht Totalverlust.

Inflationsrisiko
Sinkt die Kaufkraft, verliert auch eine nominal gleichbleibende Zinszahlung real an Wert.

Nachrangige Risiken
Bei bestimmten Anleihearten (z. B. Nachrang- oder Hybridanleihen) ist das Ausfallrisiko erhöht.


Wie kauft man Anleihen?

Anleihen können über:

  • Banken und Sparkassen
  • Online-Broker
  • Börsen (z. B. Börse Stuttgart, Frankfurt)
  • Direkt beim Emittenten (in wenigen Fällen)

… gekauft werden. Dabei wählen Sie die WKN / ISIN, geben einen gewünschten Betrag an (z. B. 1.000 € Nennwert) und entscheiden sich, ob Sie zurückhalten bis zur Fälligkeit oder aktiv handeln möchten.


Alternativen zu Einzelanleihen

  • Rentenfonds: investieren in viele Anleihen gleichzeitig, gestreutes Risiko
  • Anleihe-ETFs: börsengehandelt, oft kostengünstiger
  • Tages- oder Festgeld: festverzinslich, aber mit Einlagensicherung
  • Crowdlending: Kredite direkt an Unternehmen oder Privatpersonen – risikoreicher

Fazit: Für wen sind Anleihen geeignet?

Ideal für:

  • Anleger mit Sicherheitsbedürfnis
  • Personen, die regelmäßige Zinseinnahmen wünschen
  • Strategen, die ihr Portfolio breit streuen möchten
  • Ältere Anleger zur Stabilisierung der Kapitalanlage

Weniger geeignet für:

  • Renditejäger mit hoher Risikobereitschaft
  • Kurzfristig orientierte Trader
  • Anleger, die mit stark steigenden Zinsen rechnen

🟡 Hinweis

Dieser Beitrag ist redaktioneller Natur und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Produktempfehlung dar.
Bitte prüfen Sie Ihre persönliche Anlagesituation sorgfältig und ziehen Sie im Zweifel eine unabhängige Beratung hinzu. Die genannten Konditionen und Beispiele dienen der Veranschaulichung und können sich jederzeit ändern.